
Kronen Zeitung
PLAYOFFS UM WM-TICKETS
„Gewinnen um jeden Preis!“ Italien zittert wieder
Italien bangt wieder einmal um die Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft. Wie 2018 und 2022 müssen die „Azzurri“ den Weg über das Playoff finden. Gegen Schweden bzw. Nordmazedonien war damals Endstation, der Katzenjammer groß. Nun baut sich Nordirland im Halbfinale als Gegner auf, am Donnerstag (20.45 Uhr – im Sportkrone.at-Liveticker) hat Italien in Bergamo Heimvorteil. Im Finale müsste der vierfache Weltmeister nächsten Dienstag auswärts in Wales oder Bosnien-Herzegowina antreten.
Gennaro Gattuso sah sich vor Italiens Entscheidungsspielen in der Rolle des Psychologen. „Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Spieler unbeschwerter fühlen“, sagte der Teamchef. Es gebe keinen Grund zum Bangen. „Das sind Spieler, die die Europameisterschaft gewonnen und in Champions-League-Finalspielen dabei waren. Sie sind an solche Spiele gewöhnt“, betonte Gattuso.
Italiens letzte WM-Partie im Juni 2014
Unter vielen Anhängern ist die Stimmung jedoch skeptisch und angespannt. Italien steckt schon länger im Tief. Nach dem 1:4 zum Abschluss der Qualifikationsspiele gegen Norwegen bat Gattuso die Fans um Verzeihung. Er glaube „fest an die Mannschaft“, sagte der Weltmeister von 2006 nun.
„Im Sport dreht sich alles um Zyklen, aber dieser im Fußball dauert schon viel zu lange“, sagte Italiens Sportminister Andrea Abodi jüngst. Quasi eine ganze Generation italienischer Kinder hat keine Erinnerungen an ein WM-Spiel ihrer Nationalmannschaft. Die bis dato letzte Partie der Italiener bei einer WM-Endrunde war das 0:1 gegen Uruguay am 24. Juni 2014 in Brasilien. Das Aus kam damals nach der Gruppenphase.
Der Negativtrend wurde nur durch den überraschenden Titel bei der EM 2021 kurz unterbrochen. Verbandspräsident Gabriele Gravina will den italienischen Fußball mit einem neuen Nachwuchskonzept nach vorne bringen. Aus seiner Sicht werde zu viel Wert auf Taktik gelegt. Man müsse sich von defensiven Herangehensweisen lösen, bei denen das „Gewinnen um jeden Preis“ im Vordergrund steht, erklärte er. Gegen Nordirland hat Italien seit 1958 nicht mehr verloren. Sechs Siege und zwei Unentschieden gab es danach.
Fünf weitere Tickets warten
In Europa werden noch drei weitere WM-Tickets vergeben. Ukraine gegen Schweden und Polen gegen Albanien lauten die Halbfinal-Paarungen in Pfad B. Im dritten „Mini-Turnier“ mit K.o.-Charakter trifft die Türkei daheim zunächst auf Rumänien, die Slowakei bekommt es mit dem Kosovo zu tun. Außerdem spielen Dänemark und Nordmazedonien sowie Tschechien und Irland einen WM-Startplatz aus.
Bei Co-Gastgeber Mexiko sind noch zwei weitere Fahrkarten für die Endrunde zu haben. Im interkontinentalen Play-off warten der Irak und die Demokratische Republik Kongo auf ihre Finalgegner. In der Nacht auf Freitag sind zunächst Bolivien und Suriname in Monterrey im Einsatz, danach bekommt es Neukaledonien in Guadalajara mit Jamaika zu tun.
Der Irak peilt die erste WM-Teilnahme seit 1986 an. Die Vorbereitung wurde erheblich durch den Iran-Krieg beeinflusst. Nach der Schließung des Luftraums und der Streichung internationaler Flüge saß ein Großteil der Mannschaft in Bagdad fest. Der australische Teamchef Graham Arnold betreute das Team von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Eine Verlegung des Spiels lehnte die FIFA ab. Der Weltverband sagte aber Unterstützung zu, die Iraker flogen dann mit einem Privatjet nach Mexiko.
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Bild: AP/AP ( via APA) Austria Presse Agentur













